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Radlsafarica - Von Kamerun durch Regenwald und Wüste nach Algerien
 
 
 
Jens-Uwe Tiedtke
  Autor: Jens-Uwe Tiedtke, Fotos: Martl Jung
Die Reise fand im August / September 1991 statt.
An der Reise haben Martl Jung und Jens-Uwe Tiedtke teilgenommen.
Reiseroute: Kamerun: Douala, Buea, Kumba, Nguti, Mamfe, Ekok. Nigeria: Ikom, Ogoja, Gboko, Makurdi, Wamba, Jos, Kano. Niger: Magaria, Zinder, Tanout, Agadez, Arlit, Assamakka. Algerien: I-n-Guezzam, Tamanghasset, Alger.
 
 
 
 
Radlsafarica

Das tropische Afrika ist für den Fahrradfahrer ein sehr interessantes Terrain. Mit einer gewissen Leidensfähigkeit, die man auf jeden Fall mitbringen sollte, kann der Pedalist hier tiefgehende Einblicke in den Alltag und die Lebensweise der schwarzafrikanischen Bevölkerung nehmen.

 
 
 
Als Europäer mit heller Hautfarbe ist man in Ländern wie Kamerun schon ein wenig exotisch. Die Menschen die hier leben, begegnen dem Reisenden bis auf einige wenige Ausnahmen, noch erfreulich unvoreingenommen.
 
 

Die Tragflächen rauchen als wir im Anflug auf den Flughafen der heimlichen zweiten Hauptstadt Kameruns sind, die Douala heißt. Glücklicherweise ist der Rauch nicht bedenklich - es ist lediglich die mit Wasser geschwängerte Luft des Regenwaldes, die hier ob des starken Unterdrucks an den Flügelkanten und Spitzen schlagartig auskondensiert. Schon tauchen wir durch die unterste Wolkenschicht und blicken völlig unvermittelt auf das schier endlose Grün des Regenwaldes. Und schon setzt unser Fluggefährt auf der geteerten Landebahn auf. Kurze Zeit später merken wir, daß wir uns in Afrika befinden müssen. Der Flughafen verbreitet den herrlich erfrischenden Flair einer tristen Fabrikhalle - ist nur nicht so gemütlich wie eine solche. Es hat den Anschein als ob unsere vielen unverkennbar afrikanischen Flugbegleiter diesen Ort so schnell als möglich verlassen wollen denn sie strömen in Höchstgeschwindigkeit auf den Schalter für die Einreise zu. Das ist für den gemeinen Afrikaner, der doch eher gemächlich und ein wenig träge ist, schon ein wenig ungewöhnlich. Da Martin und ich heute nichts besonderes mehr vorhaben, lassen wir uns nicht drängen auch in Hektik zu verfallen.

Die Einreiseformalitäten gehen erstaunlich schnell vonstatten. Paß auf, Stempel rein - fertig. Ehe wir uns versehen, stehen wir in einem dichten Gewusel aus Taschen, Koffern und Menschen, die sich vor irgendetwas stauen. Es ist die Zollkontrolle, deren Beamten das Gepäck der Fluggäste genauestens inspizieren wollen. Auf diesem Flughafen landen nur sehr wenige Flugzeuge und so haben die Beamten mehr als reichlich Zeit, die Gäste abzufertigen. Als wir gerade dabei sind, durchblicken zu wollen, wie dieses heillose Durcheinander eigentlich funktioniert, kommt auch schon ein Flughafenbediensteter in Zivil mit breitem Grinsen auf uns zu und sagt, daß er für unsere Einreise ein wenig Geld benötigte. Wir sind so frei und geben ihm das verlangte und schon befinden sich einige weiße Symbole aus Kreidestrichen auf unseren knallroten Fahrradtaschen. Dies hat zur folge, daß wir blitzartig abgefertigt werden und unser Gepäck vollkommen unangetastet bleibt. Schneller als wir begreifen können stehen wir auch schon hinter der Zollkontrolle und sind somit offiziell in Kamerun eingereist.

Blöderweise ist es inzwischen schon dunkel geworden und wir beschließen, es uns bis zum nächsten Morgen in der Wartehalle des Flughafens gemütlich zu machen, soweit es eben geht. Leider währt unser Schlaf nur kurz denn ein uns wohlbekanntes hochfrequentes Geräusch läßt uns leise fluchen. Hier gibt es Moskitos in Hülle und Fülle. An Schlaf ist nun erfahrungsgemäß nicht mehr zu denken. Die Biester treiben einen in den Wahnsinn. So vertreiben wir uns die Zeit bis in die zum Morgengrauen eben damit, so viele der Bestien wie möglich zu erschlagen, was ein relativ sinnloses Unterfangen ist, da unbegrenzter Nachschub die toten Kameraden nur allzu schnell ersetzt.

Endlich ist der ersehnte erste Tag unserer Reise angebrochen. Flugs packen wir unsere Sachen zusammen und lassen uns auf der Terrasse vor dem Eingang des Flughafengebäudes nieder. Jetzt ist es an der Zeit, unsere Fahrräder in Empfang zu nehmen, die wir bereits per Luftfracht von Deutschland vorrausgeschickt hatten. Nach detektivischer Ermittlungsarbeit gelingt es uns schließlich, herauszufinden, wo das Gebäude steht, in dem unsere Fahrräder liegen müßten. Wir beschließen, das Martin den längeren Weg zur Frachthalle antritt, während ich auf der Terrasse unser Gepäck vor den vielen Schaulustigen abschirme, die sich unser angenommen haben.

Nach endlos langer Zeit kommt Martin betrübt zu mir zurück und erzählt, daß wir unsere Fahrräder erst einmal ordentlich verzollen müßten, was einen tiefen Graben in unser Reisebudget reißen würde, da die Gebühren saftig seien. Aber wie man ja weiß, liegt die Kunst darin, mehr Zeit zu haben als die unbarmherzigen Zollbeamten - was allerdings gar nicht so leicht ist - und in der Taktik sich nicht abwimmeln zu lasen. Diese Taktik zahlt sich schließlich in Wortsinne aus. Jedoch zeigten die Zollbeamten große Ausdauer und so kommt es, daß die Sonne sich bereits zum zweiten male hinter dem Horizont verkrümelt hat, als Martin völlig entnervt zwei Kartons im Schlepptau hinter sich her schleifend in meine Richtung schlendert.

Da wir aber nun den Flughafen besser kennen als die Angestellten des Flughafens, beschließen wir, unsere Fahrräder so schnell als möglich zusammenzubauen und einfach zu ignorieren, daß es Nacht wird. Gesagt getan. Mit großem Interesse nehmen die zahlreichen Passanten, die sich dicht um uns gescharrt haben die Gelegenheit war, uns zu beobachten, wie wir unsere Fahrräder in einen funktionsfähigen Zustand zu versetzen.

Nun ist es soweit - wir treten zum ersten mal in die Kurbeln und machen uns langsam in Richtung des Stadtzentrums Doualas davon. Interessanterweise haben sich ausgerechnet heute einige Aufständische dazu entschlossen, Unruhe im Lande zu verbreiten. Und so kommen wir irgendwie nicht so recht voran, da das Militär zahlreiche Straßensperren errichtet hat. Und jeder, der einmal afrikanische Straßensperren kennengelernt hat weiß, wie langwierig es sein kann, zur nächsten zu gelangen. Nach dem wir schließlich zum x-ten male unsere Lebensgeschichte erzählt haben, und endlich auch den Hafen hinter uns gelassen haben, fahren wir über einen Damm zur Stadt hinaus. Die Sonne ist nun entgültig verschwunden und es ist finster. Finster bedeutet hier in Schwarzafrika auch wirklich finster. Möchte sagen: stockdunkel, rabenschwarze Nacht - kein Licht. Hätten wir keine Taschenlampen, so könnten wir uns genausogut dort hinsetzten wo wir gerade sind, da wir in der undurchdringlichen Dunkelheit vollkommen verloren wären.

Wir fahren so einige Zeit auf staubiger Straße wortlos vor uns hin, bis wir ein seltsames blinken wahrnehmen, das aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen scheint. Es sind Tausende von Glühwürmchen, die im Gleichtakt fluoreszieren. Dieses Schauspiel ist faszinierend anzusehen. Gleich danach kommt uns eine Rinderherde entgegen. Es ist schon ein mulmiges Gefühl, wenn man weiß, wie groß die Hörner dieser Rinder sind, die da direkt neben einem dahintraben und man lediglich deren Umrisse sieht. Wir machen eine Pause am Wegesrand. Plötzlich beginnt Martin zu springen und wild umherzurennen. Ich denke mir, daß er doch nicht unbedingt jetzt schon anfangen muß, sich mit afrikanischen Tänzen zu befassen. Des Rätsels Lösung wird schließlich im Lichtkegel der Taschenlampe gelöst. Es sind winzig kleine Ameisen, die sich an seinem Bein hochgearbeitet haben. Zum Andenken haben sie zahlreiche Blasen auf seiner Haut zurückgelassen.

Irgendwann ist es dann soweit - wir werden müde und wollen uns irgendwo aufs Ohr legen. Wir suchen mit unseren Taschenlampen nach einem geeigneten Ort und finden schließlich eine Stelle, wo der Wald nicht so dicht ist und sogar reichlich Platz auf dem Boden ist. So beenden wir unseren ersten Tag und legen uns in unsere Biwaksäcke.

Es ist bereits heller Morgen als Stimmen an mein Ohr dringen. Als ich schließlich unwillig meine Augen öffne, sehe ich direkt in die Gesichter einiger Plantagenarbeiter. Des Rätsels Lösung ist, daß wir uns mitten in einer Gummibaumplantage niedergelassen haben, was zu allgemeinen Erheiterung der Landbevölkerung beizutragen scheint. Wir packen unsere sieben Sachen zusammen und machen uns auf den Weg.

 
 
  Afrikanischer Alltag

Nach der Stadt Douala sind die Straßen in größeren Abschnitten geteert. Das wird sich jedoch ändern. Am Wegesrand eine Impression aus dem afrikanischen Transportwesen.
 
 
 
 
 
Mit Tempo unterwegs

Man beachte, daß es hier sogar noch eine vorschriftsmäßige Fahrstreifenmarkierung gibt. Nur wenige Einheimische fahren hier in Kamerun mit dem Fahrrad. Der Sportsmann im gelben Trikot ist eher die Außnahme. Zu sportlichen Zwecken ist das Fahrrad durchaus zu gebrauchen. Die übliche Methode der Fortbewegung ist die mit dem Auto, dem Pickup, dem Lastwagen oder sehr weit verbreitet, einfach zu Fuß.
 
 
 

Wir fahren inzwischen auf merklich schlechterer Straße dem Örtchen Tiko entgegen. Hier gibt es einen Markt und folglich auch etwas essbares. Wir entschließen uns, Bananen zu kaufen. Von diesen Früchten kann der hungrige Radfahrer eine Zeit lang leben. Nach kurzer Verhandlungsphase landet eine ganze Staude auf dem Gepäckträger. So greifen wir ab und an hinter uns und stillen unseren Hunger. Die Bananen sind auffällig klein. Die großen, für uns >normalen< Bananen sind sogenannte Kochbananen, die man erst einmal kochen oder fritieren muß um sie essen zu können. Im Rohzustand sind sie hart, mehlig und ungenießbar. Sie werden hier in Kamerun sehr gerne zu >Plantain-Chips<, dem pendant zu Pommes Frites verarbeitet.

 
 
  Afrikanische Pommes Frites

>Plantain Chips< sind in dünne Scheiben geschnittene Kochbananen, die in Palmöl fritiert werden - eine durchaus leckere Variante der Pommes Frites und wohl auch ungleich gesünder und schmackhafter als diese.
 
 
 
 
  Tankstelle

Die Sicherheitsstandarts sind hier in Kamerun nicht ganz so optimal wie der Europäer das aus seiner Heimat her gewohnt ist - vor allem was die Tankstellen angeht. Aber schließlich ist man ja auch in Afrika und da geht vieles auch ganz ohne lästigen Behördenkram.
 
 
 
 
 
Ende der Ausbaustrecke

Feste Brücken sind in Kamerun eher die Ausnahme als die Regel. Oft sehen die Bauwerke so aus wie dieses hier. Wichtig ist doch eigentlich nur, daß man trockenen Fußes über ein Fließgewässer kommt.
 
 
 
  Dorfidyll

Die Ersten die uns gewöhnlich in einem Dorf begrüßen sind die heimischen Nutztiere.
 
 
 
 
 
Der Morgen graut - das Leben im Wald erwacht

So des frühen morgens durch den Wald zu radeln ist ein wunderbares Erlebnis. Ich wähne mich fast in einem traumhaft schönen Film, so unwirklich kommt mir die ganze Szenerie vor.
 
 
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Letzte Aktualisierung: 07.03.07
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