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Alpenüberquerung Oberstdorf - Meran
 
 
 
Martl Jung
  Autor: Martl Jung
Fotos: Martl Jung und verschiedene Wanderer
Die Tour fand vom 19. bis 24. August 2008 statt
Höhenmeter: etwa 12.000 (jeweils im Auf- und Abstieg)
Strecke: etwa 200 Kilometer
 
 
 
Oberstdorf - Meran
Barfuss über die Alpen

Anhand des Transalp-Klassikers sollten die Möglichkeiten einer mehrtägigen alpinen Barfusstour ausgetestet werden.

 
 
Vorfahrt für Barfüssler
 
 

Bevor im kommenden Jahr die Alpen von München nach Verona barfuss überquert werden sollen wollte ich die Machbarkeit einer solchen Tour durch eine mehrtägige alpine Barfusswanderung herausfinden. Dazu wählte ich den Transalp-Klassiker >Oberstdorf - Meran<, der zum großen Teil der Route des Fernwanderwegs E5 folgt.
Anders als die üblicherweise begangene Route habe ich die gesamte Strecke im alpinen Gelände ohne Schuhe (auch nicht mit >Notschuhen< im Gepäck) begangen. Außerdem wird bei der üblichen Routenführung etwa die Hälfte der Strecke sowie 60% der Höhenmeter mit Taxi, Bus und Seilbahn zurückgelegt und bei den noch gegangenen Hüttenaufstiegen die Materialseilbahnen zum Rucksacktransport genutzt. Im Gegensatz dazu bin ich jeden Meter vom Bahnhof Oberstdorf bis zum Bahnhof Meran mit meinem gesamten Gepäck barfuss gegangen. Dabei habe ich die sonst mit Bus etc. zurückgelegten Strecken durch folgende Wege ersetzt:

 


* Felsenweg Hermine im Madautal
* Wiesenweg auf den Venetberg
* Dr. Angerer-Höhenweg
* Madatschjoch, Kaunergrathütte
* Cottbuser Höhenweg
* Meraner Höhenweg


 

Die gesamte Tour wurde in knapp sechs Tagen gegangen, was der normalen Zeitdauer mit Bus etc. entspricht. Da bedeutet bei meiner Routenführung ein Tagesdurchschnitt von 2.000 Höhenmeter (jeweils im Auf- und Abstieg) sowie eine tägliche Strecke von etwa 35 Kilometern. Der Rucksack hatte ein Gesamtgewicht von etwa 15 Kilogramm. Täglich war ich zwischen 10 und 15 Stunden unterwegs.

 
 


Zur Information hier eine kurze Gepäckliste:

* Kleidung auch für kaltes und nasses Wetter
* wasserdichter 35 Liter-Rucksack >Track< von Ortlieb mehr dazu hier
* Teleskopstecken
* Sonnenmütze mit Nackenschutz mehr dazu hier
* barfuss verwendbare Grödel >Spider< von Grivel mehr dazu hier
* Sonnencreme
* Schlafsack, Innenschlafsack
* Isomatte
* Digicam Nikon Coolpix 5000
* Wasch- und Verbandszeug
* Proviant
* Wanderkarten


 
   
   
 
 

Ohne entsprechendes Training, das bedeutet barfusslaufen im Alltag ist eine solche Tour sicher nicht machbar. Trotzdem war ich über die Möglichkeiten erstaunt. Nicht benötigt habe ich wegen der aufgeweichten Schneefelder meine Grödel. Es ist aber unerläßlich, sie auf einer solchen Tour, die zweimal die 3.000 Meter-Marke übersteigt dabei zu haben. Nötig wären noch Fahrrad- bzw. Klettersteighandschuhe gewesen, da ich mir so durch den intensiven Stockeinsatz bergab an den Händen mehrere Blasen geholt hatte.

Interessante Erfahrungen:

Man wird nicht müde. Man ist ohne Schuhe in schwierigem Gelände flexibler, kann schneller reagieren und ist damit schneller, solange der Fels nicht zu rauh ist. Man knickt nicht mit dem Fuß um, da sich der Fuß an den Untergrund anpaßt. Mit Schuhen geht man dagegen wie auf einem Brett, das wegkippen kann. Die Füße werden besser durchblutet. Daher friert man an den Füßen auch bei Temperaturen bis zum Gefrierpunkt nicht, solange man in Bewegung ist. Man geht konzentrierter und spürt bei jedem Schritt die Feuchtigkeit und Temperatur des Untergrunds, erhält so ein intensives Naturerlebnis.

Benötigtes Verbandsmaterial: absolut nix!
Blasen: Einige an den Händen durch intensiven Einsatz der Wanderstöcke bergab.
Fußreflexzonenmassage: gratis.
Wanderer, die mich überholt haben: kein einziger.
Wanderer, die ich überholt habe: ??? Viele!
Negative Kommentare anderer Wanderer: Fehlanzeige.

Sonstige Kommentare anderer Wanderer:
>Ich würd nicht mehr wetten<
>Damals kurz vor Stalingrad hatte ich auch keine Schuhe mehr<
>Hat das religiöse oder finanzielle Gründe?<
>Was man nicht mitnimmt kann auch nicht kaputt gehen<
>Vorbildlich! Ohne den ganzen Schnickschnack<
>Gut, daß er größere Füße hat als ich<
>Kann ich von der Fußsohle etwas abhaben?<

Sie wollen auch eine Barfußtour machen? Ich kann das nur empfehlen. Fangen Sie am Besten damit an, im Alltag nur Schuhe zu tragen, wenn es unbedingt sein muß. Wenn sich ein Berberteppich für Ihre Füße genauso anfühl wie ein Kokosteppich ist es Zeit, auch mal eine größere Wanderung barfuss zu unternehmen. Ich empfehle trotzdem Schuhe mitzunehmen, da es viele Abschnitte gibt, die barfuss wenig Freude machen. Nehmen Sie Wiesenwege, Sandstein oder den zentralalpinen Granit. Dann macht barfusswandern wirklich Spaß!

 
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Letzte Aktualisierung: 30.08.08
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